Posterous theme by Cory Watilo

"Ich krieg dich! - Das Spiel: Wem kannst du vertrauen?" von Leo Martin

Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE

Minimalistisches Spiel für große Gruppen

Der ehemalige Agent Leo Martin, geboren 1976, studierte Kriminalwissenschaften und war daraufhin 10 Jahre lang bei einem großen deutschen Nachrichtendienst beschäftigt. Er ist ein Experte für organisierte Kriminalität, der nicht nur Machenschaften aufdeckte, sondern auch Informanten anwarb. Dabei hat er sich vor allem auf die Prozesse spezialisiert, die bei Menschen unbewusst ablaufen, aber das Denken und Handeln bestimmen. In seinem Bestseller „Ich krieg dich!“ gewährt er einen Blick in die Welt des Nachrichtendienstes und Anwerbeprozessen von V-Leuten. Unter anderem erzählt er davon, wie man das Vertrauen anderer Menschen erwirbt, sodass sie ihre Schutzschilde senken und bereit sind, geheime Informationen preiszugeben.

Leo Martin entwickelte ein Ausbildungsprogramm, nach dem Nachwuchsagenten geschult werden.  Daraus hat sich dieses Gesellschaftsspiel entwickelt, das vor allem die Beobachtungsgabe schärfen soll.

Das Spiel selbst ist sehr hochwertig produziert. Vom Format her erinnert es an eine übergroße Zigarettenschachtel. In der Box stecken 20 Spielkarten und ein stabiles Leporello, auf dem sich die Anleitung und Tipps befinden.

Diese minimalistische Ausstattung überrascht zunächst. Wie soll das funktionieren? Um eine Spielrunde zu starten, braucht man 6 bis 16 Spieler.

Die Spielidee: Es herrscht Alarmstufe Rot im Hauptquartier des Geheimdienstes, denn jemand hat versucht, streng geheime Dokumente an sich zu bringen. Außenstehende kommen nicht in Frage, es handelt sich eindeutig um einen Diebstahlsversuch aus den eigenen Reihen. Es muss also einen Maulwurf geben! Den zu enttarnen und die Dokumente zu schützen, ist das Ziel des Spiels.

Ablauf: Zunächst wird ein Spielleiter bestimmt. Dieser ist selbst kein Mitspieler sondern führt durch die Spielrunden. Er verteilt die Spielkarten, die den anderen Mitspielern ihre Identitäten zuweisen. Einer wird zum Maulwurf, die anderen zu Agenten. Einer wird darüber hinaus zum Top-Agenten bestimmt. Dieser erfährt vorab die Identität eines Mitspielers seiner Wahl, hat also einen Vorsprung vor allen anderen.

Der einzige, der sämtliche Identitäten kennt, ist der Spielleiter. Sind die Karten verteilt, schaut jeder Spieler seine Identitätskarte an und legt sie dann verdeckt wieder ab. Die Spieler schließen die Augen, denn es ist Nacht. Der Spielleiter fordert zuerst den Maulwurf auf, kurz die Augen zu öffnen und dann mit Fingerzeig einen Mitspieler als Opfer zu bestimmen.

Anschließend bittet der Spielleiter den Top-Agenten, die Augen zu öffnen und sich damit zu erkennen zu geben. Dieser darf nun einen Mitspieler wählen, dessen Identität ihm offenbart wird. Damit verfügt er als einziger aus der Agentengruppe über zusätzliche Informationen. Dieses Wissen muss er für sich behalten. Er kann es aber geschickt nutzen, um die anderen von dieser Person abzubringen, falls sie nicht der Maulwurf ist.

 

Dann wird die erste Runde eröffnet. Das vom Maulwurf bestimmte Opfer gilt schon vor Beginn der Runde als eliminiert und scheidet sofort aus. Es darf nicht mit den anderen sprechen.

Die übrigen Spieler müssen nun miteinander reden, versuchen, herauszufinden, wer den Mitspieler ausgeschaltet hat. Verhält sich jemand anders als sonst? Gibt es irgendwelche Anzeichen, die darauf hindeuten, wer der Täter sein könnte? Der Maulwurf tut natürlich so, als sei er ein ehrlicher Agent. Der Top-Agent versucht mit seinem Zusatzwissen zu punkten.

Es darf natürlich gelogen werden, Hauptsache, man enttarnt den Feind in den eigenen Reihen.  Nachdem die Spieler eine Weile überlegt haben, bittet der Spielleiter um Abstimmung: Wer ist der Maulwurf? Durch Fingerzeig wird entschieden. Wer die meisten Stimmen erhält, muss sich enttarnen, indem er die Karte umdreht. War es der Maulwurf, haben die Agenten gewonnen und das Spiel ist vorbei. War es nur ein Mit-Agent, geht es weiter. Es ist ein Katz und Maus-Spiel, bei dem beide Seiten versuchen, als Sieger hervorzugehen.

In der Nacht schaltet der Maulwurf, so er denn nicht enttarnt wurde, sein nächstes Opfer aus… und dann geht es in die nächste Runde.

Soweit die Theorie. Bei einem Spiel reicht das nicht, um den Spielspaß zu bewerten. Da ist Praxis gefragt: Am Wochenende war ich auf einem Grillabend mit Freunden eingeladen.  14 Personen, eine ideale Gruppengröße und ein perfektes Ambiente, um das Spiel gleich auszuprobieren! Ich hatte mich vorbereitet und übernahm sofort die Rolle der Spielleiterin. Immerhin hatte ich den Vorteil, die Anleitung zu kennen.

Spielt man es wie vorgegeben, ist man unter Umständen schnell fertig bzw. schnell etwas gelangweilt. Die Spieler schauen auf offensichtliche Anzeichen wie ein verräterisches Grinsen, machen Scherze, ziehen sich auf oder versuchen es mit direkter Konfrontation und kleinen Insiderscherzen. Das ist Anfangs lustig und macht Spaß. Allerdings ist eine Runde wie die andere.

Die Person, die ganz zu Anfang bereits als Opfer gewählt wurde, hat einen gewissen Spaß daran, die anderen bei diesem Hin und Her zu beobachten. Zumindest am Anfang. Scheiden aber im Spielverlauf weitere Personen aus, fangen diese an, miteinander reden und verfolgen das Spielgeschehen nicht mehr sonderlich interessiert. So kommt es zu Ablenkungen. Dieses doch recht einfache Spiel funktioniert nur, wenn auch wirklich alle bereitwillig mitmachen.

Deutlich (!) erhöhen lässt sich der Spielspaß, wenn man das Ganze mehr wie ein Rollenspiel aufzieht. Ein großer Vorteil ist, dass man nicht an einem Tisch sitzen muss. Man kann sich während des Spiels bewegen. Wenn man vorher Karteikarten schreibt, die die Agenten individualisieren, Würfel einsetzt um bestimmte Aufgaben zu bewältigen, und eine richtige Geschichte um den Diebstahl der Dokumente aufbaut, macht das Ganze deutlich  mehr Spaß. Dafür braucht man allerdings Rollenspielerfahrung und als Spielleitung eine gehörige Portion Fantasie. Ohne mitgelieferte Materialien ist es auch sehr zeitaufwendig.

Alles in allem ist es ein Gruppenspiel, das durchaus Spaß macht, wenn alle bereit sind, mitzumachen und dabei zu bleiben. Schöner wäre ein größerer Materialfundus. Ob sich die Menschenkenntnis damit wirklich verbessert, ist schwer zu sagen. Man beobachtet wirklich sehr genau und schaut einmal mehr hin. Vielen war die gesteigerte Aufmerksamkeit auf ihr Gesicht unangenehm. Man wird nicht gern angestarrt. Das wurde nach mehreren Runden durch die Gewöhnung deutlich besser. Möglicherweise ergibt sich so für einige Spieler der positive Nebeneffekt, dass sie Blicken Fremder gelassener standhalten können.

(c) M. Hoevermann


Ikd1

"Into the Black: Odyssey One" von Evan Currie

Im Weltall nichts Neues

 

Ich bin begeisterte Science Fiction und Fantasy-Leserin und kenne zahlreiche Serien wie Star Trek, Star Wars, Battlestar Galactica, Babylon 5 oder Firefly. Von daher ist es schwer, Bücher zu entdecken, die wirklich mit etwas komplett Neuem aufwarten können. Meistens gerät das Lesen zu einem innerlichen Sortieren, was eigentlich wo "entlehnt" wurde... Aber ich lese nichtsdestotrotz auch altbekannte Ideen in interessant arrangiertem Setting oder mit mitreißenden Charakteren. Schließlich wird in anderen Genres das Rad auch nicht neu erfunden. Kein Problem!

 

"Into the Black" sprach mich wegen des Titels an, der mich sofort an Firefly denken ließ. Inhaltlich erinnert es allerdings stärker an eine Mischung aus Enterprise, Babylon 5 und Battlestar Galactica.

 

Dabei sind die Erlebnisse der Besatzung der Odyssey, des ersten menschlichen Raumschiffs, das in den Weltraum, "Into the Black", zu neuen Welten aufbricht, um Geschichte zu schreiben, interessant zu lesen. Neu ist die Grundidee natürlich nicht, ebenso wenig wie die Situation auf der Erde, die einen Dritten Weltkrieg hinter sich hat. 

 

Während Technik und Politik nachvollziehbar und fesselnd eingeflochten werden, bleiben die Protagonisten eher blass, was auch für den leider etwas zu perfekten Captain Eric Weston gilt, der im Wesentlichen dauernd "smiled". Es ist mühsam einen Dialog zu finden, der nicht von einem Anflug eines Lächelns, einem direkten Lächeln oder einem unterdrückten Lächeln begleitet ist. Das fing irgendwann an, mich wirklich zu stören, weil ich permanent Bruce Boxleitner in seiner Rolle als Captain Sheridan in Babylon 5 denken musste.

 

Auch die Ausgangssituation zementiert den Protagonisten als Helden ohne Makel: Nach Ende des Dritten Weltkriegs wird Weston zum Kommandanten der Odyssey ernannt. Die Mission dient vor allem Forschungszwecken (in der Theorie) und ist mit vielen Unbekannten verbunden: Erstmals gelingt das Reisen durch das All mit einer Geschwindigkeit, die über Lichtgeschwindigkeit hinausgeht.  Was die Crew erwartet, ist also noch weitgehend unklar. Allerdings hat niemand damit gerechnet, in der Praxis gleich eine massive Bedrohung von der Erde abwenden zu müssen... 

 

Dabei agieren die Crewmitglieder teilweise etwas zu routiniert, um glaubhaft zu verkörpern, dass es sich um ihre erste Mission handelt. Zudem wird ein großes Ensemble benötigt, um das Schiff am Laufen zu halten. Was im Film problemlos darstellbar ist - man braucht nur entsprechende Kameraeinstellungen der Besatzung oder kann Einzelpersonen zügig zu einprägsamen Gestalten entwickeln - ist schwieriger in Textform. Currie versucht das Problem zu lösen, indem viele namenlos bleiben.

 

Ich lese gern von Charakteren, die nicht in das übliche Helden- bzw . Gut/Böse- Schema fallen. Eine individuellere Zeichnung der Handlungsträger fehlt hier deutlich. Das schwächt für mich das Lesevergnügen. Andererseits werden in einem ersten Band ja zunächst Grundlagen gelegt, auf denen später aufgebaut wird. Möglicherweise wird die Charakterisierung in den Folgebänden ja noch intensiver. 

 

Der Kanadier Evan Currie präsentiert dennoch einen empfehlenswerten Roman, den ich SF-Fans weiterempfehlen würde. Zum einen überzeugt die weitgehend abgeschlossene Gesamthandlung, zum anderen fesseln auch die Darstellungen der Konflikte und Schlachten, selbst wenn man sich normalerweise nicht für Militärsettings begeistert. Man liest das Buch verblüffend schnell, obwohl einprägsame Charaktere fehlen. Am Ende bleiben genug Fragen offen, um sich für die Fortsetzung "Heart of Matter" zu interessieren. Ich zumindest möchte auch den Folgeband lesen.

 

(c) M. Hoevermann

 

 

 

Karl May: "Old Cursing Dry" Hörspiel, CD

Das lästernde Bleichgesicht

Rainer Buck adaptierte die kurze Erzählung „Old Cursing Dry“ für dieses hörenswerte Audio-Abenteuer. Erstmals wurde sie 1896 im „Regensburger Marien Kalender“ gedruckt, später in Band 23, „Auf fremden Pfaden“, in die Gesammelten Reiseerzählungen aufgenommen. 

Die Umsetzung ist sehr dicht am Original ausgerichtet; teilweise findet man sogar wörtliche Übernahmen. Nach dem Hören hatte ich das Bedürfnis, die Geschichte selbst erneut zu lesen. In der Buchversion gibt es dazu einleitende Worte Karl Mays, der ein biographisches Erlebnis berichtet. Das lässt die anschießende Schilderung des "Fluchers", des lästernden Bleichgesichts im Wilden Westen, besonders authentisch, wie eine Parabel, wirken.

Die Dialoge wurden für "Old Cursing Dry" mit viel Einfühlungsvermögen gestrafft, die Sprache leicht modernisiert und Geräusche behutsam und passend eingesetzt. So entsteht beim Anhören Karl May-Feeling pur: Man versinkt in der Handlung, taucht ein in die Wildwest-Atmosphäre und fühlt sich zurückversetzt in die eigene Kindheit. 

Die Stimmen der Charaktere sind durchweg passend gewählt. Wer die alten EUROPA-Hörspiele, in denen Konrad Halver als Winnetou zu hören ist, kennt, darf sich auf ein Wiederhören freuen: Hier leiht der versierte Sprecher „Old Cursing Dry“ Fletcher seine markante Stimme. Er überzeugt auch als Widerling voll und ganz. Freude macht auch Robert Missler als Dick Hammerdull. Ihn kennt man u.a. aus der TV Serie "Dr. House", in der er Houses engsten Freund und Vertrauten, Dr. James Wilson, spricht. Als Winnetou brilliert der Schauspieler und Hörspielsprecher Detlef Tams, dem man den edlen Häuptling sofort abnimmt.  

Zur Handlung: Die Blutsbrüder Winnetou und Old Shatterhand halten sich bei den Navajos, die zu den Apatchen gehören, auf. Dort werden zwei Indianer beim Ausspionieren des Lagers entdeckt. Es sind Pah-Utahs. Man vermutet, dass diese sich vielleicht zum Angriff auf die Navajos vorbereiten.

Winnetou und Old Shatterhand beschließen mit einem jungen Krieger, den sie bei Bedarf als Boten einsetzen können, zum Stamm der Pah-Utahs zu reiten. Unterwegs begegnen sie zwei Westmännern, skurrilen Gestalten, wie man sie von Karl May kennt: Den untersetzten Dick Hammerdull und den langen, hageren Pitt Holbers. Bei ihnen befindet sich ein Begleiter, „Old Cursing Dry“ Fletcher, ein erklärter Indianerhasser, der seinen Namen seinem dauernden Fluchen verdankt.

Er wird beschuldigt, zwei Pah-Utahs, darunter den Häuptlingssohn, getötet zu haben, beteuert allerdings seine Unschuld. Doch es gibt einen Zeugen und Fletcher stellt seinen Hass und seine Verachtung deutlich zur Schau…

 

Es ist der Beginn eines spannenden Abenteuers. Das Hörspiel beginnt sofort nach einer kurzen musikalischen Einleitung. Eine Einführung, in der etwa Titel und Macher genannt werden, gibt es nicht. 

 

Die Trackliste umfasst 10 Kapitel:

1. Unruhe im Navajo-Lager

2. Wiedersehen mit Hammerdull und Holbers

3. Der fluchende Dürre

4. Winnetous Plan

5. Fletchers Schwur

6. Das brennende Grabmahl

7. Der Sohn des Fluchers

8. Die List am Canyon

9. Das Urteil

10. Schuld und Gnade

 

Danach folgt der von Jens Böttcher gesungene und komponierte Themensong "Pilger auf fremden Pfaden" (Track 11).

Begleitend zum Hörspiel gibt es ein 16-seitiges Booklet mit vielen Fotos der Sprecher und Macher hinter den Kulissen (amüsant zu sehen ist hierbei die Star Wars-Begeisterung zweier Sprecher). 

In sehr persönlichen Notizen aus Schreibstube und Produktionswerkstatt erfährt man neben biographischen Informationen zu Karl May u.a. auch, was zur Auswahl von "Old Cursing Dry" geführt hat. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die christliche Botschaft der Erzählung gerichtet.

Die musikalische Untermalung ist überaus gelungen: Statt in Richtung Orchestermelodien zu gehen, wie man sie von Martin Böttcher kennt, setzt Karsten Deutschmann in seinem Score auf an Countrymusik erinnernde Gitarrenklänge. 

Der Titelsong "Pilger auf fremden Pfaden" fängt die einmalige Freundschaft zwischen Winnetou und Old Shatterhand, ebenso aber auch ihren Kampf für Moral und Ehrlichkeit, gekonnt ein. Jens Böttcher, der hier auch den Old Shatterhand und Ich-Erzähler spricht, ist ein Singer/Songwriter, der sich hier als Kenner und begeisterter Fan der Materie erweist. 

Eine schöne Hommage an Karl May, ein Hörenswertes Abenteuer für junge und erfahrene Ohren. Hier kommen alle auf ihre Kosten, vom Greenhorn bis zum mit allen Wassern gewaschenen Westmann.

 

(c) M. Hoevermann

 

 

"Das eiserne Haus" von John Hart

Der amerikanische Autor John Hart fesselt mit seinem Thriller von Anfang an. Einmal aufgeschlagen, lässt sich das Buch nicht mehr schließen, bis die letzte Seite gelesen ist:

Die Brüder Michael und Julian werden als Kleinkinder an einem Bach ausgesetzt. Michael ist etwa 10 Monate alt und kräftig; Julian ist ein schwächliches, neugeborenes Baby. Sie wachsen in einem Waisenhaus, vielmehr einem Erziehungsheim für Jungen, in den Bergen North Carolinas auf. "Tritt ein, Kind, und fürchte nichts außer Gott", so das Leitwort auf der Metalltafel. Allerdings stellt sich heraus, dass das Dasein für die Kinder hinter den Mauern schlimmer ist als jede dahinphantasierte Vorstellung einer christlichen Hölle.

Die Brüder lernen in diesem Haus vor allem eins: kämpfen. Wer sich nicht durchsetzen kann, wird zum Opfer. Besonders Julian, der schwächere der beiden, wird immer wieder von Mitschülern drangsaliert, gequält, gedemütigt und geschlagen. Das ist Alltag. Michael versucht sein Bestens, ihn zu schützen, aber es gelingt ihm nicht. Er ist sicher stärker, aber er ist letztendlich auch nur ein Kind. Als Julian im Affekt einen anderen Jungen tötet, kann Michael nur eins tun, um ihm zu helfen: Er nimmt die Schuld auf sich und läuft davon. Sein Weg führt nach New York, mitten hinein in eine Welt der Kriminalität und Gewalt. Er schlägt sich anfangs allein auf der Straße durch. Dann wird er schwer verletzt von Otto Kaitlin, einem bekannten Gangsterboss, unter die Fittiche genommen. Er wächst zusammen mit dessen Sohn Stevan auf. Und wie er wird auch Michael zum Killer ausgebildet.

Julian dagegen wird von der begüterten Senatorengattin Abigail Vane adoptiert und verbringt den Rest seiner Kindheit geliebt und behütet. Die Vergangenheit allerdings bleibt lebendig in ihm. 20 Jahre später ist Michael ein effizienter Profi-Killer, während Julian seinen Lebensunterhalt als erfolgreicher Kinderbuchautor bestreitet. Innerlich allerdings ist er mindestens ebenso zerrüttet wie Michael.

Als Michael Elena kennen und lieben lernt, will er aussteigen. Sie ist schwanger, und er will einen Neuanfang für die kleine Familie. Dem gemeinsamen Kind das geben, was er selbst nie gehabt hat. Um das zu schaffen, muss er allerdings einen Schlussstrich unter sein bisheriges Leben ziehen.

Also steht er am Krankenbett seines Mentors und Ziehvaters Otto Kaitlin mit dem festen Plan, die Organisation zu verlassen. Allerdings kann ein Gangster, ein Killer, nicht einfach aussteigen. Außer mit den Füßen zuerst. Als Otto Kaitlin stirbt, verliert Michael den einzigen Menschen, der vielleicht hätte helfen können. Danach überstürzen sich die Ereignisse. Nun sind auf einen Schlag andere an der Spitze: Michael und Elena werden zu Gejagten, und auch Julian befindet sich in Lebensgefahr. Jetzt sind professionelle Killer, einschließlich Michaels Stiefbruder Stevan, hinter ihnen her. Michael weiß ganz genau, was die, die in ihr Visier geraten sind, über sich ergehen lassen müssen, ehe sie endlich sterben dürfen...

Es gelingt John Hart Michael sowohl als Killer als auch als verantwortungsbewussten Mann und zukünftigen Vater glaubhaft darzustellen. Schwarz-Weiß-Malerei gibt es nicht. Vielschichtig, tiefgründig, Täter und Opfer zugleich, so lassen sich die beiden Brüder am besten beschreiben. Michael hat keine Wahl: Will er es schaffen, muss er wieder kämpfen. Gegen das Verbrechen, gegen seine Vergangenheit, für seine große Liebe Elena und das ungeborene Kind.

"Das eiserne Haus" ist ein Thriller, der bis zuletzt durch Spannung und bildgewaltige Sprache überzeugt. Über 500 Seiten gelingt es dem Autor mühelos, die Lesenden bei der Stange zu halten, sie mit neuen Wendungen zu konfrontieren und mit unerwarteten Überraschungen aufzuwarten.

Ein Buch, so packend wie ein Blockbuster! Mit aller Brutalität und Härte wird Michaels Welt in Szene gesetzt. Dabei ist die Darstellung der Gewalt niemals reiner Selbstzweck; sie erklärt vielmehr das Handeln, macht Entscheidungen nachvollziehbar. Man fühlt mit den Brüdern, in deren Leben sich die Ereignisse überschlagen, ihnen entgleiten und sie in einen Strudel hinabziehen, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Eine packende, düstere Geschichte und ein Blick in die tiefsten menschlichen Abgründe. Empfehlenswert!

(c) M. Hoevermann

"Ark Malikum: Kampf gegen die Verschwörer" von Andrew Peters

Toilettenhumor für die Kleinen

Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predige, um das einzelne unbekümmert, das Urgesetz des Lebens.  Hermann Hesse

Mit diesem viel versprechenden Zitat beginnt Andrew Peters' Roman "Ark Malikum". Der Autor lässt keinen Zweifel an seiner Liebe zur Natur: Den Wald, genauer gesagt das Königreich Arborium, entwickelt er zu einem faszinierenden Setting für seinen Fantasyroman "Kampf gegen die Verschwörer", der klingt wie ein Serienauftakt. In den Kronen riesiger Bäume existiert ein Volk mit ganz eigener Religion und eigenen Legenden, das die Natur schätzt und vor der Zerstörung erst sicher glaubt und dann bewahren will.

Der 14-Jährige Arktorius Malikum, genannt Ark, liebt den Wald über alles. Er ist für die Instandhaltung der Toiletten zuständig. Er denkt, dass seine Heimat der sicherste Ort der Welt sei. Durch Zufall bekommt er jedoch ein Gespräch mit, bei dem eine Verschwörung gegen den König geplant wird. Arborium ist in Gefahr! Dahinter steckt Lady Fenestra, die finstere Pläne schmiedet. Allerdings bleibt Arks Mitwissen nicht unbemerkt: Er muss fliehen, den Verfolgern entgehen und gleichzeitig dafür sorgen, dass dem König nichts geschieht...

Das Buch ist fest gebunden und zeigt einen Baum mit einem beleuchteten Fenster auf dem Cover. Die kurzen Kapitel sind am oberen Rand mit Blättern verziert. Alles in allem wirkt die Aufmachung allerdings dennoch nicht besonders hochwertig. Sie gefällt mir auch wegen des intensiven Kontrasts zwischen dem eher dunklen Blick in den Wald und dem quietschbunten Orange, das einen beim Aufschlagen des Buches erschreckt, nicht. Sieht man es in einer Buchhandlung, wird man es kaum in die Hand nehmen, um den Klappentext zu lesen. Weder der Titel noch das gewählte Cover wirken sonderlich ansprechend. Neugier auf den Inhalt kommt so, trotz des an sich wirklich interessanten Rahmens, nicht auf.

Inhaltlich und optisch ist das Buch eher auf Kinder im Alter von 8-10 Jahren ausgerichtet. Erwartet hätte ich, auch aufgrund des Alters der Hauptfigur, allerdings einen Jugendroman.

Auch wenn Ark durchaus sympathisch ist, sind die Charaktere insgesamt zu wenig vielschichtig angelegt und nicht sorgsam ausgearbeitet. Die eigentliche Handlung bleibt trotz des interessanten Settings eher oberflächlich und begleitet vor allem die Flucht, was nicht reicht, echte Begeisterung für den Erhalt der Natur zu wecken.

Auch die Sprache ist sehr einfach und alltagsnah gehalten, beinhaltet Wortspiele und "Toilettenhumor". So liest man etwa, dass sich Arks Beine "wie Wackelpudding" (S. 124) anfühlen, Arks Freund Mucum schnoddert: "'Kannste plötzlich hellsehen oder was?'" (S. 125), was Ark mit "Quatsch" kommentiert, um dann auf den Gully aufmerksam zu machen: "'Aus diesem Rohr kommen nur allerfeinste königliche Ausscheidungen'" (ebd.), die allerdings genauso riechen wie die des gemeinen Volkes. Tabubrüche dieser Art, die Fokussierung auf menschliche Exkremente, gefallen vor allem jüngeren, männlichen Kindern...

Alles in allem wurde hier eine an sich interessante Idee zu langweilig umgesetzt, um wirklich zu begeistern. Kinder haben eventuell mehr Freude daran.

(c) M. Hoevermann

Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel

Meisterhafte Umsetzung der literarischen Vorlage

**Inhalt**


Gregor Samsa ist ein junger Handlungsreisender, der sein Leben vor allem in Zügen zubringt. Er hasst seinen Beruf. Sein Leben ist eine Aneinanderreihung von Demütigungen und Erniedrigungen. Eigene Bedürfnisse werden ihm abgesprochen, er muss funktionieren. Bedingungslos. Immer. Um den kranken, finanziell gescheiterten Vater zu besänftigen übernimmt er die Verantwortung für seine Kernfamilie, fürchtet sich aber gleichzeitig seine Übermacht.

Eines Morgens erwacht Gregor und findet sich im abstoßenden Körper einer Schabe wieder. Ihn plagt die Angst: Er hat seinen Zug verpasst, wie soll er das nur seinem Arbeitgeber erklären? Den Eltern?

Die Ablösung vom Elternhaus ist Gregor nicht gelungen. Er ist sehr unsicher, isoliert und einsam. Seinem Chef hat er nichts entgegenzusetzen. Ein Privatleben mit Freundin und Beziehung hat er nicht. Nach seiner Verwandlung erkennt Gregor, dass die Familie ihn nicht wirklich braucht. Plötzlich kommen alle wunderbar auch ohne seine finanzielle Hilfe zurecht. Es war nur bequemer, ihn und sein Pflichtbewusstsein auszunutzen. 

Gregors Selbstlosigkeit zeigt sich auch in seinem neuen Körper: Stets denkt er an die Bedürfnisse der anderen. Er ist voller Schuldgefühle, spürt  Angst und Trauer. Und er will der Schwester, die ihn versorgt und pflegt, seinen ekelerregenden Anblick ersparen. Verzweifelt versucht er, nicht bei seinen Familienmitgliedern anzuecken. Aber jeder seiner Ausbruchsversuche wird als Aggression missdeutet.

Der Vater, der ihm schon vorher das Gefühl gegeben hat, wertloses Ungeziefer zu sein, kann ihn nach der Verwandlung auch genau wie eine Schabe zertreten...

**Umsetzung als Graphic Novel**

Eric Corbeyran und Richard Horne gelingt eine meisterhafte Umsetzung der literarischen Vorlage Franz Kafkas. In zutiefst beeindruckenden Bildern fangen sie gekonnt die düstere Atmosphäre, den Schmerz und die Verzweiflung Gregor Samsas ein. Man kann sich der Sogwirkung der Bilder und der gelungenen Texte nicht entziehen: Gefesselt liest und betrachtet man das Dargebotene und wird in eine ganze eigene Welt und tiefe Nachdenklichkeit gestürzt.

Das Buch ist großformatig und überaus hochwertig produziert. Gedruckt ist es durchgängig farbig auf stabilem Glanzpapier. Der Druck ist sehr scharf. Gleich nach dem Aufschlagen wird man mit der ORDNUNG DER SCHABEN vertraut gemacht. Links findet man einen Bauplan mit anschaulicher Beschriftung einzelner Körperteile, rechts nützliche Informationen.

**Hintergrund**

Die Werke des Schriftstellers Franz Kafka (1883-1924) zählen heute zu den bekanntesten Texten Weltliteratur, darunter die drei Romane "Der Process", "Das Schloss" und "Der Verschollene" sowie zahlreiche, kürzere Erzählungen und autobiographische Niederschriften. Obwohl er zu Lebzeiten eigene Manuskripte verbrannte, mit denen er unzufrieden war, und in seinem Testament die ungelesene Vernichtung alles Übrigen anordnete, rettete sein Nachlassverwalter und engster Freund Max Brod das Hinterlassene für die Nachwelt. Und zwar zweimal: Er verbrannte Kafkas verbliebenes Werk nicht, und er bewahrte es 1939 vor dem Zugriff der Nationalsozialisten, als er mit Kafkas Nachlass im Gepäck von Prag nach Palästina floh.

**Franz Kafkas Leben**

Franz Kafka ist das älteste von insgesamt sechs Kindern jüdischer Kaufleute und der einzige Sohn, der das Kleinkindalter überlebt. Nach dem Abitur nimmt er auf Geheiß des strengen Vaters, der vor allem sozialen Aufstieg im Sinn hat, ein Jura-Studium an der Universität in Prag auf. 1902 lernt er an der Universität den Mitstudenten Max Brod kennen. Damit beginnt eine lebenslange Freundschaft. Kafka beginnt bereits, während des Studiums zu schreiben und Texte zu veröffentlichen. Er promoviert, absolviert anschließend ein einjähriges Rechtspraktikum am Landes- und am Strafgericht. 1907 wird er Hilfskraft bei der Versicherungsgesellschaft "Assicurazioni Generali", von 1908 bis 1922 arbeitet er in der "Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen" (AUVA) in Prag. Seine Arbeit war für ihn nie mehr als ein reiner Brotberuf. Seine wahre Leidenschaft galt immer dem Schreiben.

Franz Kafka richtet sein Leben fast ausschließlich nach den Wünschen seines tyrannischen, extrem dominanten Vaters aus. Seine Sehnsucht nach Befreiung von Zwängen und elterlicher Bevormundung, aber auch das hilflose Verharren in einer unerträglichen Situation spiegeln sich in vielen Werken und ist auch ein zentrales Element in "Die Verwandlung". Diese Erzählung entsteht bereits  1912 und wird drei Jahre darauf erstmals im Oktoberheft der Zeitschrift "Die Weißen Blätter" veröffentlicht. Im Dezember 1915 erscheint in der Reihe "Der jüngste Tag", herausgegeben von Kurt Wolff, die erste Veröffentlichung in Buchform.

1924  stirbt Franz Kafka an Tuberkulose und wird auf dem jüdischen Friedhof in Prag-Straschnitz beigesetzt.

**Zur Interpretation**

"Die Verwandlung" ist ein vieldeutiges Werk, indem sich die unterschiedlichsten Aspekte finden lassen. Man begegnet mit Gregor Samsa einem Menschen, dessen Wert und Nützlichkeit vollkommen von seiner Berufstätigkeit und Leistungsfähigkeit abhängig gemacht wird. Er quält sich aus Pflichtgefühl gegenüber seiner Familie zu einer verhassten, anstrengenden Berufstätigkeit. Als er selbst dann abhängig und hilfsbedürftig ist, bleiben Anteilnahme und Fürsorge versagt.

Ebenso kann man die Verwandlung auch als Anpassung des äußeren Zustands an den inneren deuten: Gregor Samsa hat innerlich längst gekündigt, ist ausgebrannt und am Ende seiner Kraft. Damit hat er seine gesellschaftliche Nützlichkeit als arbeitender Mensch verwirkt. Wie ein Ungeziefer belastet er nun ein ohnehin schon fragiles System, die Familie.

So kann man das Geschehen zum einen als Kritik an der Gesellschaft deuten, die Schwache und Hilfsbedürftige als wertlos betrachtet, oder aber als Kritik am einzelnen, der anderen zur Last fällt, weil er sich nicht zusammenreißt.

Allerdings hat Gregor Samsa immerhin fünf Jahre lang aufopferungsvoll für die Eltern und die Schwester gesorgt. Während er zusehends verfällt, sich vom Menschen in ein Tier verwandelt, wandelt sich auch seine Familie: Die Familienmitglieder lösen sich aus ihrer Lethargie und entwickeln eigene Wege, ihre Situation zu verbessern. Offenbar hat Gregors eigenes Verhalten sie vorher in einem Dämmerzustand gehalten: Es gab keine Notwendigkeit zur Aktivität, weil für alles gesorgt war. Erst als mit Gregor der Versorger wegfällt, müssen sie Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen. So ist Die Verwandlung auch Hinweis dafür, dass es Ansporn und Druck braucht, damit Menschen sich in Bewegung setzen. Ohne äußeren Anschubs tut sich nichts.

Man kann Gregor auch als Menschen begreifen, der sich selbst über die Arbeit und die Sorge für seine Kernfamilie definiert. Nimmt man ihm beides, bleibt von ihm nichts mehr übrig. Freunde und ein eigenes Privatleben besitzt er nicht. Er ist vollkommen auf die Eltern fixiert, die Ablösung vom Elternhaus ist ihm nie gelungen. Hier böte sich auch eine psychoanalytische Deutung an.

Normalerweise sind es die Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern, bis diese auf eigenen Beinen stehen können. Gregor Samsa erreicht diesen Zustand nie. Stattdessen drehen sich die Rollen irgendwann um: Er übernimmt die Elternrolle, die Eltern die Kinderrolle. 

Eine interessante Funktion hat die jüngere Schwester. Gerade zu Beginn der Verwandlung zeigt sie Empathie und Mitgefühl, versorgt den vollkommen abhängigen, hilflosen Bruder. Aber sie kommt an einem Punkt, an dem ihr Verhalten abrupt wechselt. Vielleicht der Moment, indem sie erkennt, dass sie sich entscheiden muss zwischen der Möglichkeit, ein eigenes Leben aufzubauen und zu führen, und der Pflegetätigkeit. Gregors Untergang entspricht spiegelbildlich ihrem Aufblühen. Am Ende bestreitet sie sogar seine Identität und gibt ihn auf.

Trotz der Verwandlung in ein Ungeziefer bleibt Gregor innerlich ein verletzlicher, empfindsamer  Mensch ist. Seine Erinnerungen, Gedanken und Gefühle sind nach wie vor existent, auch wenn er die menschliche Sprache verliert. Der Panzer schützt, aber er trennt auch.

Nicht einmal die Schwester versteht Gregor. Sie erscheint vor den Eltern als seine Vertreterin. Sie ist jung, gesund, schön, stark, hilfsbereit - kurz, sie ist mit allen positiven Eigenschaften ausgerüstet. Sie pflegt und versorgt den Bruder und kümmert sich um seine Bedürfnisse. Eigentlich fällt diese Rolle der Mutter zu. Aber diese steht als Ehefrau und Mutter zwischen den beiden männlichen Familienmitgliedern. Sie identifiziert sich anfangs stärker mit der Mutterfunktion, entscheidet sich dann aber für die Rolle als Ehefrau.

Die über Leben und Tod entscheidende Rolle spielt der Vater: Er lehnt Gregor ab, wird von diesem wegen seiner Feindseligkeit und Aggressivität gefürchtet. Schließlich zerbricht er den Sohn emotional und körperlich. Vor allem das Verhalten des Vaters  stürzt Gregor in Wertlosigkeitsgefühle und  weckt den Wunsch nach dem eigenen Tod. Das zeigt sich in der zunehmenden Nahrungsverweigerung.

Deutlich sind hier auch die Parallelen zu Kafka selbst erkennbar. Er litt zeitlebens unter dem herrischen, autoritären Vater, dem er nichts entgegensetzen konnte.

**Erzähler und Erzählperspektive**

In Kafkas Werk ist der Erzähler stark zurückgenommen. Berichtet wird aus der Sicht eines Er-Erzählers, der aber im Hintergrund bleibt und das Geschehen eher berichtet und schildert als kritisch Position zu beziehen.

Innerhalb der literarischen Vorlage wird Gregors Verwandlung selbst, das Warum und Wie, nie zum Thema. Weder Gregor noch die Außenwelt fragen sich, wie es dazu gekommen ist, ob man sie rückgängig machen kann. Niemand stellt fest, dass so eine Transformation überhaupt nicht möglich ist. Stattdessen wird die Verwandlung eher wie eine Krankheit wahrgenommen. Man geht zunächst davon aus, dass sich sein Zustand wieder bessern wird.

**Fazit**

Die Deutschen tun sich schwer mit Comics: Nach wie vor haben diese den Status eines Kinderbuchs. Dabei existieren schon sehr lange schöne, aufwendige, intellektuell ansprechende "Bilderbücher" für Erwachsene. Mit der Bezeichnung Graphic Novel, was etwa so viel heißt wie illustrierter Roman, wird eine sprachliche Aufwertung über einen weiteren Anglizismus versucht. Damit ist die Hoffnung verbunden, hierzulande auf gesteigerte Akzeptanz eines erwachsenen Publikums zu treffen. Möge das gelingen!

"Die Verwandlung" zeigt mit ihrer meisterhaften gestalterischen Umsetzung und ihren gelungenen Texten, dass literarischer Anspruch und Comics sich nicht ausschließen. Im Gegenteil: Die Lektüre dieses Buches bereichert und erweitert das Verständnis der literarischen Vorlage. Manch einem eröffnet sich vielleicht dadurch auch erst der Zugang zu Franz Kafkas Werk.

Die Erzählung ist verbindliche Lektüre für das Abitur in Deutsch in Niedersachsen. Sie ist Wahlpflichtmodul in "Literatur und Sprache um 1900 - neue Ausdrucksformen der Epik".

Schülerinnen und Schüler werden von der Lektüre dieser Graphic Novel profitieren.

Abgesehen davon von hier eine zeitlose Geschichte stimmungsvoll aufbereitet: Gregor Samsa widerfährt ununterbrochen Gewalt. Am Ende übernimmt er schließlich die Sichtweise der Familie: Sie behandeln ihn wie Ungeziefer, also wird er Ungeziefer. Seine Selbstwahrnehmung passt sich der Fremdwahrnehmung an. Am Ende ergibt er sich seinem Schicksal. Er verliert den Kampf gegen den Vater. Er bleibt das Opfer, gibt sich auf und geht den Weg konsequent bis zum bitteren, unausweichlichen Ende. 

(c) M. Hoevermann

Bosch Allzwecksauger PAS 12-27 F

Ein echtes Arbeitstier: Der Bosch Allzwecksauger PAS 12-27 F

Dieser Staubsauger bedeutet eine unglaubliche Arbeitserleichterung! Wer schon einmal längere Zeit gesägt hat, während er an einem größeren Projekt gearbeitet hat, weiß, wie der Arbeitsplatz hinterher aussieht: Überall Sägespäne, Staub, das bleibt einfach nicht aus.

Der Clou bei dem PAS 12-27 F von Bosch ist, dass man den Staubsauger über eine integrierte Schutzkontakt-Steckdose direkt mit den entsprechenden Sägen von Bosch (oder auch mit anderen geeigneten Werkzeugen) verbinden kann. Ich verwende ihn entweder mit der Kapp- und Gehrungssäge PCM 7 S und mit der PTS 10 von Bosch. Beide sind uneingeschränkt empfehlenswert, wenn man als Heimwerker Größeres vorhat und auf anständige Qualität und zuverlässiges Werkzeug Wert legt.

Der robuste Staubsauger bedeutet eine immense Arbeitserleichterung. Dabei verfügt der Schlauch über eine hervorragende Länge, so dass man den Sauger etwas entfernt vom tatsächlichen Arbeitsplatz aufstellen kann. Mit seinen leichtgängigen Rollen lässt sich sehr gut bewegen. Seine Aufnahmekapazität und Kraft sind phänomenal! Mit einem gewöhnlichen Hausstaubsauger ist er nicht zu vergleichen!

Sind Sauger und Werkzeug erst einmal über die verbunden, braucht man den PAS 12-27 F nicht separat zu betätigen: Man stellt den Betriebsarten-Wahlschalter auf Position II. Ab jetzt springt der Staubsauger automatisch mit an, wenn ein Elektrowerkzeug läuft. Kraftvoll entfernt er den anfallenden Staub und läuft sogar noch einen Moment länger (etwa sechs Sekunden) nach, auch wenn man das Werkzeug bereits abgeschaltet hat. So wird noch mehr aufgefangen.

Der Arbeitsplatz bleibt dadurch automatisch sehr viel sauberer.

Ist der Staubbeutel voll - was wirklich sehr lange dauert, denn die Aufnahmekapazität ist enorm - lässt er sich leicht auswechseln. Beim Einsetzen des neuen Beutels sollte man darauf achten, dass er in voller Länge an der Innenwand anliegt. Das Prinzip ist letztendlich das gleiche wie bei einem handelsüblichen Hausstaubsauger.

Will man den PAS 12-27 F als Nasssauger nutzen, muss der Beutel entfernt und der Behälter ausgeleert werden. Ein Schwimmer zeigt die maximale Füllhöhe an. Ist diese erreicht, stellt der Sauger sich ab. Das ist das Signal, ihn auf 0 zu schalten und den Behälter auszuleeren.

==Fazit==
Dieser leistungsstarke, robuste Sauger erleichtert die Arbeit ungemein, denn damit lässt sich der Arbeitsbereich deutlich sauberer halten. Angeschlossen ans Elektrowerkzeug ist er eine echte Bereicherung. Sinnvoll konzipiert, stabil - ein idealer Helfer, den ich nicht mehr missen möchte!

© M. Hoevermann

"Wie der Fussball in die Welt kam: Ein Bilderbuch für Erwachsene" von Helme Heine

Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE

Der (Erd)Ball ist rund!

Unsere Nation steckt mal wieder im Fußballfieber. Der landesweiten Begeisterung kann sich kaum jemand entziehen: Vom 8.6. bis 1.7.2012 wird bei der Europameisterschaft mitgezittert. Dann sieht man wieder feiernde Fans auf den Straßen, die Landesfarben überall, geschmückte Autos, geschmückte Wohnzimmer - es ist herrlich!

Aber wie eigentlich kam der Fußball auf die Erde? Wie sind die Regeln überhaupt entstanden? Antwort auf diese und andere drängende Fragen Kulturinteressierter gibt das kleine, liebevoll und augenzwinkernd geschriebene und illustrierte Büchlein von Helme Heine.

Sonntags wird bekanntermaßen ja nicht gearbeitet; da wird ausgeruht. Aber die Mußestunden, in denen die Engel entweder gleich in ihren Wolkenbetten liegen bleiben oder (mit fraglichem Talent) musizieren ziehen sich doch in die Länge. Der Vorstandsvorsitzende, Herr Gott, verbringt die freie Zeit jedenfalls deutlich produktiver: Großputz ist angesagt! Weg mit allem, was nicht mehr gebraucht wird. So wandern Konstruktionspläne und Kreativmaterial kurzerhand in die himmlische Verbrennungsanlage. Aber von einer Sache kann sich Gott irgendwie nicht trennen: Liebevoll aus Lederfetzen zusammengenäht liegt da noch ein schwarz-weißer Ball, ein Globus. Gewissermaßen der Prototyp der Erde: weiß die Meere, schwarz die Kontinente. Um die Menschen zu informieren, dass sie nicht etwa auf einer Scheibe, sondern auf einer runden Welt leben, wirft Herr Gott den Ball auf die Erde hinab. Allerdings haben die Menschen bekanntlich eine recht lange Leitung, was besonders für die gilt, die sich rühmen, den Draht nach oben für sich gepachtet zu haben. Sei's drum.

Hier ist sie nun endlich, die einzig wahre Schöpfungsgeschichte! Der Ball stürzt ausgerechnet in Evas Gemüsegarten. Ihr Urteil? Riecht irgendwie unangenehm nach Bison, ist nicht essbar, also unnütz. Oder? Adam ist ebenso ratlos und will ihn das sonderbare Objekt mit gekonntem Tritt auf den heimischen Kompost befördern, damit es wenigstens einen praktischen Zweck erfüllt. Doch es kommt, wie es kommen muss: Der Ball prallt gegen Gartenzaun, Hauswand und findet den Weg zurück zu Adam. And the rest, as they say, is history...

Das amüsante Bändchen erzählt mit viel Humor und Witz eine ganz eigene Schöpfungsgeschichte. Adam und Evas haben letztendlich ganz eigene Gründe, den Garten Eden zu verlassen und ihr persönliches Paradies andernorts zu suchen. Ihre Liebe zum Fußball allerdings, die nehmen sie mit.

"Wie der Fußball in die Welt kam" ist ein gelungenes "Bilderbuch für Erwachsene" und ein ideales Geschenk für Fußball-Fans mit Humor. Die Zeichnungen in diesem durchgängig farbig illustrierten Buch sind hinreißend und werden erklärte Fans von Helme Heine ebenso begeistern wie alle, die ihn neu für sich entdecken.

Der Illustrator zählt zu den bekanntesten Bilderbuchkünstlern der Gegenwart. Sein Ruhm reicht weit über Deutschland hinaus: In 35 Sprachen wurden seine Bücher übersetzt und vielfach mit Preisen gewürdigt. 1941 in Berlin geboren studierte Helme Heine Betriebswirtschaft und Kunst, verbrachte dann 12 Jahre als Regisseur, Bühnenbildner und Schauspieler in Südafrika. 1976 erschien sein erstes Buch "Elefanteneinmaleins". Ein Jahr darauf kehrte er zurück nach Deutschland und legte im wahrsten Sinn des Wortes eine "Bilderbuch-Karriere" hin. Allerdings hielt es den Weltenbummler letztendlich nicht lange in der Heimat: 1990 wurde zunächst Irland, später Neuseeland, wo er noch heute mit seiner Frau lebt, zu seinem neuen Domizil.

(c) M. Hoevermann

"Avalon is Risen" - Das neue Album von Filklegende Leslie Fish

"Avalon is Risen", das neue Album von Leslie Fish, ist ab Juni 2012 erhältlich!

Leslie Fish ist eine Filklegende! Wer die Musikerin noch nicht kennt, sollte sie unbedingt kennen lernen. "Filkmusik" ist sehr textlastig, läd zum Mitsingen, Nachdenken und Träumen ein. Eigentlich handelt es sich um "Folk-Songs", die (meistens) von und für Science Fiction und Fantasy-Fans komponiert und gesungen werden. Die Inhalte sind in der Regel bezogen auf Fans und Fandoms.

Die letzten vier Jahre hat Produzent Kristoph Klover damit zugebracht, die bewegendsten und schönsten Stücke von Leslie Fish auf CD zu bringen und dabei ihr unnachahmliches Gitarrenspiel, ihre markante Stimme und Persönlichkeit einzufangen. Es ist ein Meisterwerk geworden!

Aus der offiziellen Ankündigung von Eli Goldberg:

"Titled Avalon is Risen, this project features newly crafted recordings of Leslie's best-known and most powerful Pagan and bardic songs. Songs that are thoroughly enjoyable by Pagans and non-Pagans alike."

Ausgeliefert werden die CDs ab 15. Juni. 2012. Besteller bekommen sofort nach Abschluss des Bezahlvorgangs (bequem über Paypal) einen Downloadlink und können sich das gesamte Album komplett auf den Computer holen, inklusive Booklet, und die Musik genießen.

Das aufwendige, 32-seitige Booklet wurde von dem amerikanischen Künstler Bradley Schenck gestaltet, ist komplett vollfarbig illustriert und beinhaltet sämtliche Songtexte. Ein wahrer Augenschmauß für alle, die sich für keltische Kunst und Ornamentik begeistern!   

Einen Preview gibt es hier: http://www.prometheus-music.com/avalon.html

Bestellungen können über folgenden Link getätigt werden:http://www.prometheus-music.com/avalonpreorder.html

Auf einen Blick:

Leslie Fish: "Avalon is Risen"

VÖ: 15.6.2012

Preis: USD $ 15,97 + $ 5 (Versand)

Euro: 16,85 € (abhängig vom Wechselkurs)

"Signaturen der Kultur: Studium zum Alltag & zu seiner Erforschung" von Martin Scharfe

Den Alltag unter der Lupe

Der deutsche Volkskundler Martin Scharfe, geboren 1936 im baden-württembergischen   Waiblingen, feierte im Erscheinungsjahr dieses Bandes,  2011, seinen 75. Geburtstag. Er studierte Volkskunde, Kunstgeschichte und Soziologie an der Universität Tübingen und war von 1985 bis 2001 als Professor für Europäische Ethnologie und Kulturforschung an der Universität Marburg tätig. Anschließend hatte Martin Scharfe bis 2006 eine Gastprofessur am Institut für Europäische Ethnologie bzw. Volkskunde an der Universität Innsbruck inne.

Der Band "Signaturen der Kultur" vereint erstmals essentielle Arbeiten aus den letzten 20 Jahren seiner Forschungstätigkeit, die den Schwerpunkt auf Kulturtheorie, volkskundliche Kulturanalyse und Methodologie legen. Es ist ein anspruchsvolles, umfassendes Paket geworden, das die vier Herausgeberinnen und Herausgeber hier geschnürt haben. Im Vordergrund stehen dabei vor allem grundsätzliche Erwägungen im Kontext einer historischen Kulturanalyse; kritische Fragen werden aufgeworfen und laden zu einer tiefen Auseinandersetzung ein. Kritische Alltagsforschung, das machen die Herausgebenden deutlich, bedeutet Annäherung an die Lebenswirklichkeit der Menschen mit all ihren Erscheinungsformen; ebenso aber auch die Entlarvung des "lebensweltlich-zivilisatorischen [...] [und des] intellektuellen Fortschritt[s] als vermeintlichen" (S. 7).
 
Die Tatsache, dass hier andernorts bereits publizierte Texte zusammengeführt werden, bringt gewisse  Wiederholungen und thematische Überschneidungen mit sich. Das allerdings ist nicht negativ zu werten, denn oft nähert sich Martin Scharfe ein und demselben Sachverhalt aus unterschiedlicher Perspektive, was das Verständnis bereichert.

Gerade der Blick in vermeintliche Alltäglichkeiten erweist sich als überaus faszinierend, spannend und ganz und gar nicht selbstverständlich: "Aber so ist es ja oft: das an sich Selbstverständliche versteht sich nicht von selbst" (S. 87). Kultur ist oft eine "Hülle" (S. 84), "notwendigerweise Oberfläche" (ebd.), die es zu durchdringen gilt, um dem darunter liegenden begegnen zu können. Anschaulich verweist der Autor auf Alltagsbeispiele wie etwa die Kleidung, das eigene Wohnumfeld als Schutzraum, die Beteiligung an Bräuchen, die auf den ersten Blick nichts über die innere Einstellung zum Gezeigten enthüllen. "Kultur ist Verhüllung, Verschleierung, Verkleidung, Maskierung" (S. 83).

Martin Scharfe macht sich daran, diesen Schleier wissenschaftlich fundiert, anschaulich und mit zahlreichen Beispielen untermauert zu lüften und zur Demaskierung beizutragen. Dass es heute als Selbstverständlichkeit gilt, alltägliche Phänomene tiefergehend zu betrachten und in ihrem Wesen zu erfassen, ist unter anderem auch dem Autor selbst zu verdanken.

Das Buch präsentiert zentrale Texte zu Technik, Zivilisation, Körperlichkeit, Erfahrung, Dingkultur, dem Unbewussten und Museen.  Dabei nähert sich Scharfe dem großen Kontext über konkrete Beispiele, "Signaturen der Kultur", die anschließend in einen größeren Zusammenhang eingeordnet werden.

Die fünf Kapitel konzentrieren sich auf unterschiedliche Schwerpunkte: Kapitel 1, "Vorläufige und einleitende Anmerkungen" des Autors, befasst sich mit "Kulturgebärden" und führt in die Textsammlung ein. Anschließend widmet sich das umfangreiche zweite Kapitel "Grundzügen der Kultur" und wirft unter anderem einen Blick auf "Technik und Volkskultur", "Bagatellen" und das Unbewusste in der Kultur selbst und in der kulturwissenschaftlichen Forschung. Der "Lebensstil der Moderne" wird zum Fokus des dritten Kapitels. Themen sind u.a. "Utopie und Physik", "Scham" und "Denkmäler des Irrtums". In dem Kapitel "Materie, Museum, Dinge" rückt das Museum als Ort der Kulturgeschichte in den Mittelpunkt. Den Abschluss bildet der Anhang, der neben Anmerkungen ein Verzeichnis sämtlicher verwendeter Abbildungen und ein Sachregister beinhaltet.

(c) M. Hoevermann